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Notarielles oder eigenhändiges Testament?

Ein eigenhändiges Testament ist in gleicher Weise gültig wie ein notarielles Testament. Warum sollte man also Geld ausgeben für ein notarielles Testament, wenn das eigenhändige Testament kostenfrei ist?


Gründe für ein notarielles Testament

Es gibt Gründe, sich für die Errichtung eines notariellen Testaments zu entscheiden:

Der Notar erteilt nicht nur professionellen Rat hinsichtlich Erbeinsetzung, Vermächtnissen und Teilungsanordnungen. Er fertigt auch den Entwurf der letztwilligen Verfügung und errichtet darüber eine öffentliche Urkunde.

Ein solches öffentliches Testament hat nicht nur eine besondere Beweiskraft. Schließlich hat ein öffentliches Testament auch handfeste Kostenvorteile: So kann das vom Notar beurkundete Testament in der Regel den ansonsten erforderlichen Erbschein ersetzen. Der Erbschein kostet aber im Ergebnis deutlich mehr als Beratung, Entwurf sowie Beurkundung des Testaments durch den Notar. Auch ist durch die Registrierung im Zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer sichergestellt, dass die letztwillige Verfügung nicht verschwindet und im Todesfall aufgefunden wird.


Was kann im Testament geregelt werden?

Im Testament können insbesondere geregelt werden:

  • Erbeinsetzung
  • Teilungsanordnung
  • Vermächtnis
  • Auflage
  • Testamentsvollstreckung


Erbeinsetzung

Im Testament wird im "ersten Schritt" mit der Erbeinsetzung geregelt, wer Rechtsnachfolger werden soll.
Zum Erben können eine oder mehrere Personen eingesetzt werden. Bei einer Personenmehrheit können die Erbquoten bestimmt werden.

Es können auch juristische Personen zum Erben eingesetzt werden, also etwa private Stiftungen oder gemeinnützige Vereine; auch öffentliche juristische Personen können zum Erben eingesetzt werden, also etwa die Kirchen oder öffentliche Stiftungen.

Tiere können nicht zum Erben eingesetzt werden.

Man sollte sich auch Gedanken machen, wer als Ersatzerbe anstelle des eingesetzten Erben in Betracht kommt. 


Teilungsanordnung

Wurden im "ersten Schritt" bei der Erbeinsetzung mehrere Personen als Erben eingesetzt, kann in einem "zweiten Schritt" mit einer Teilungsanordnung geregelt werden, wie der Nachlass konkret zu verteilen ist. Fehlt eine solche Teilungsanordnung, ist der Nachlass unter den Erben nach der im Gesetz vorgegebenen Verfahrensweise zu verteilen: Der gesamte Nachlass wird "versilbert" und gemäß Quote verteilt.

Gegenstand der Rechtsnachfolge sind alle rechtsfähigen Positionen. Es geht also nicht nur um Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, sondern beispielsweise auch den "digitalen Nachlass". 


Vermächtnis

Im Unterschied zur Erbeinsetzung im "ersten Schritt" geht es bei der Vermächtnisanordnung um die Zuwendung einzelner Nachlassgegenstände. Mittels Vermächtnis können also einzelne Gegenstände (auch: Forderungen) Personen zugewendet werden, die nicht zum Erben eingesetzt wurden.

Es können aber auch Personen mit einzelnen Gegenständen bedacht werden, die zum Erben eingesetzt wurden. In diesem Fall spricht man von einem "Vorausvermächtnis". Im Unterschied zur Teilungsanordnung kann der bedachte Erbe den Mehrempfang behalten.

In eigenhändigen Testamenten fehlt oftmals die Erbeinsetzung, also der "erste Schritt". Stattdessen werden einzelne Gegenstände verteilt, da nicht zwischen der Erbeinsetzung und einer Vermächtnisanordnung unterschieden wird. Dann kommt es später oft zu einem Streit darüber, wie das Testament auszulegen ist.


Auflage

Gegenstand einer Auflage kann jede Verpflichtung zu einer Leistung – Tun oder Unterlassen – sein. Ein Beispiel wäre die Einhaltung der Grabpflege.


Testamentsvollstreckung

Durch die Anordnung der Testamentsvollstreckung wird erreicht, dass der im Testament festgelegte Wille "ohne Wenn und Aber" umgesetzt wird.

Da die bedachten Erben sich oftmals am Testamentsvollstrecker "abarbeiten", sollten möglichst detaillierte Vorgaben im Testament gemacht werden, insbesondere betreffend die Vergütung des Testamentsvollstreckers.

 
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